|
Gondo soll wieder leben
Gondo, das Grenzdorf auf der Südseite des Simplons, wurde am 14. Oktober 2000 von einem gewaltigen Erdrutsch verschüttet und zweigeteilt. Dabei verloren 13 Menschen ihr Leben. Die Geschichte besagt, dass bereits die Römer den Simplon als Alpenübergang benutzt hatten. Über eintausend Jahre später, im Spätmittelalter, wurde der historische Pfad zwischen Brig und Gondo von Kaspar Jodok von Stockalper zum Saumpfad ausgebaut. Der erfolgreiche Handelskaufmann zählte zu den grossen Persönlichkeiten des Wallis im 17. Jahrhundert. Neben Säumern und Fuhrleuten, Kaufherren, Gelehrten, Gauklern und Kriegsknechten reisten im späten Mittelalter auch zahlreiche Pilger, Mönche und Kirchherren über den Simplonpass. Nachdem die Blütezeit Stockalpers zu Ende ging, verlor auch der Simplon an Bedeutung. Fast 100 Jahre später liess Napoleon Bonaparte über den Simplon eine grosse Heerstrasse erbauen, um mit Kriegern, Kanonen und anderem Kriegsmaterial den Pass zu überqueren. Der Stockalperweg in seiner heutigen Form wurde von der Stiftung „Ecomuseum Simplon“ in den Jahren 1991 bis 1994 wieder begehbar gemacht. Im Sommer 2002 wurde das Teilstück Gondo bis Gabi, also der Weg durch die Gondoschlucht, neu gebaut. Dies war nach dem verheerenden Unwetter vom Oktober 2000 dringend nötig geworden. Initiant Sepp Schnyder stellt „seinen“ Lauf vor
Wie kam Sepp Schnyder auf die Idee, das Gondo-Event, dieses „einzigartige“ Lauferlebnis zu lancieren? „Als Extremsportler, der viel in den Bergen unterwegs ist und dem die Natur sehr viel bedeutet, habe ich mich schon immer mit dem Gedanken beschäftigt, eines Tages etwas „einzigartiges“ anbieten zu können. Das Gondo Event darf man wirklich als „einzigartig“ bezeichnen. Allein die grossartige Landschaft diesseits und jenseits des Simplons entschädigt für die grossen Strapazen.“ 1. Tag: Gondoschlucht Gabi Simplon-Dorf Engeloch Altes Hospiz Bistinenpass Nanztal Schratt Saltinatraversierung Ried-Brig „Nach dem Start in Gondo warten sechs Kilometer leichter Aufstieg durch die Gondoschlucht auf mich. Mein Puls steigt schnell mal auf 130. Die „Betriebstemperatur“ ist in Gabi, wo ein weiterer kurzer, aber steiler Aufstieg wartet, erreicht. Simplon-Dorf ist nach zehn Laufkilometern erreicht. Die erste Verpflegung nutze ich, um meine Getränkeflasche aufzufüllen. Vorbei an saftigen Wiesen und entlang an wunderschönem Bruchsteinmauerwerk führt der Stockalperweg in nördlicher Richtung hinüber nach den Weilern „Eggen“ und „Maschihüs“. Vorbei an der alten Suste bei „Engi“ und beim Schutzhaus von Napoleon im „Engeloch“ erreiche ich den Weiler „Niederalp“. Bei Kilometer achtzehn, beim so genannten „Barralhaus“, unterhalb dem „Alten Spittel“ verpflege ich ein zweites Mal. Jetzt folgt eine drei Kilometer lange und steile Rampe hinauf zum Bistinenpass, dem „Dach“ des Gondo Events (2417 Meter über Meer). Während ich mich verpflege, geniesse ich den einzigartigen Panoramablick. Und mir wird bewusst: Sepp, du hast bereits die Hälfte der ersten Etappe hinter dir! Weiter laufe ich über Weiden, vorbei an Alphütten und Viehherden steil hinunter ins Nanztal. Etwas weniger steil ist dann der Übergang nach „Schratt“, wo ein weiterer Verpflegungsposten eingerichtet ist. 33 Kilometer habe ich hinter mir; sieben lange Kilometer liegen aber noch vor mir…Es geht weiter talwärts, bevor eine kurze Gegensteigung und ein wiederum kurzer Abstieg mich ans Ufer der „Saltina“ führt. Vier Kilometer vor dem Ziel stelle ich mich für heute der letzten Herausforderung. Wo ist hier die Brücke? Weggeschwemmt! An der seichtesten Stelle durchwate ich den Bergbach, von Seilen gesichert. Die nassen Schuhe und Socken beflügeln mich zusätzlich. Das Ziel in Ried-Brig ist erreicht.“ 2. Tag: Ried-Brig Simplonpass Furggu Zwischbergental Gondo. „Von Ried-Brig führt die zweite Etappe über den Stockalperweg Richtung Simplonpass (2006 Meter über Meer). Nach einem dreieinhalb Kilometer steilen Aufstieg zum Schallberg fühle ich mich bereits wieder im Element. Es geht hinunter in den „Grund“. Hier betrieb Stockalper ein Eisenbergwerk. Entlang des tosenden Bergbaches führt der Stockalperweg über viele Holzbrücken zur „Taferna“. Hier gibt’s Verpflegung, ehe der Weg weiter steil hinauf zum Simplonpass (2006) führt. Dieser landschaftlich einmalige Streckenabschnitt wird auf dem Simplonpass, einem der eindrücklichsten Alpenpässe, noch „gekrönt“. Es ist ein einmaliges Erlebnis, von der Nordseite auf die Südseite zu wechseln. Südlicher Charme kommt mir entgegen. Geblieben ist aber die liebliche Landschaft und in mir die Vorfreude auf das, was jetzt noch auf mich wartet… Am mächtigen Steinadler, dem Wahrzeichen des Simplons vorbei geht es nun hinunter zum „Alten Spittel“, dann am „Engeloch“, „Maschihüs“ und „Eggen“ vorbei nach Simplon-Dorf. Hier wird mir bewusst, dass ich noch sechzehn lange und beschwerliche Kilometer bis ins Ziel zu laufen habe! Gestärkt und von den Einheimischen aufgemuntert und angefeuert, raffe ich mich noch einmal auf. Hinunter nach dem „Gabi“, auf der andern Seite wieder hoch nach „Furggu“, hinunter ins Zwischbergental und dann die letzten Kilometer talauswärts nach Gondo. Es war einzigartig. Aber auch eine grosse Herausforderung. Auf die Frage der Journalisten, was denn am Gondo Event „einzigartig“ ist, läuft in meinem geistigen Auge der Film noch einmal ab. Einzigartig ist: zwei Pässe, drei Täler, eine Goldmine, zwei Schluchten. Aber auch das familiäre Ambiente.“ Sepp Schnyder, Extremsportler und Initiant des Gondo Events
|
||||||||